12.04.2010
Mein Leipzig lob ich mir
Schon Goethe wusste, was er an Leipzig hatte. Wer einmal hier gelebt hat, der hat sein Herz verloren. Wer zu Besuch kommt, kommt aus dem Staunen nicht mehr raus. Leipzigs buntes Angebot an Kunst, Kultur und Freizeitaktivitäten hält für jeden Geschmack etwas Spannendes und Neues bereit.
Wer einen Wochenendtrip nach Leipzig plant, sollte das Auto stehen lassen und mit der Bahn reisen. Der Hauptbahnhof begrüßt Leipzigs Gäste mit pompöser Weite und imposanter Architektur und lässt erahnen, welche Bedeutung Leipzig in der Vergangenheit hatte. In direkter Nähe befindet sich die Innenstadt. Wem nach Shopping der Sinn steht, der ist hier richtig aufgehoben. Wer hingegen die Abwechslung sucht, sollte sich ein Fahrrad leihen und durch die wunderschönen Parks radeln. Auf dem Weg dorthin kann man einen kleinen Umweg über die Karl-Liebknecht-Straße, von den Leipzigern liebevoll Karli genannt, machen und sich im besten Dönerladen der Stadt, dem El Amir, einen Falafel, Halloumi oder Döner holen. Zum Picknick geht’s dann direkt ins Grüne. Gut gestärkt und entspannt, kann man sich nun der Abendplanung widmen.
Am besten beginnt man den Abend mit einer Erkundung der vielen kleinen und individuellen Kneipen, Cafés und Restaurants. Auch hier ist die Karli eine gute Adresse. Gerade im Sommer fädeln sich hier an der Straße die Freisitze wie Perlen auf. Besonders die NATO, eine studentische Kneipe mit Kino, ist zu empfehlen. Von hier aus kann man die Leuten beim Flanieren oder auf dem Weg zur nächsten Party beobachten und die Abendsonne genießen. Etwas schlichter und stylischer kommt das Hotel Seeblick daher. Der Name ist nicht Programm, denn hier kann man zwar die Nacht bei Wein und Cocktails verbringen, muss danach dann aber ins eigene Bett.
Vom Hotel Seeblick aus ist der Stadtteil Connewitz nicht mehr weit. Einen Steinwurf entfernt, findet man dort Leipzigs alternative Szene. Wenn es nun im Tanzbein zuckt, dann sollte man dem UT Connewitz einen Besuch abstatten. Von außen ein unscheinbares Wohnhaus, von Innen ein wunderschönes altes Theater, ist es eine traumhafte Kulisse für Konzerte und Partys.
Am nächsten Tag geht’s dann früh raus aus den Federn, denn es gibt viel zu erleben. Beim Spaziergang oder bei einer Radtour am Karl-Heine-Kanal entlang kann man den alten Industriecharme Leipzigs entdecken. Sanft schlängelt sich der Kanal durch die ehemaligen Arbeiterviertel Plagwitz und Schleußig. Irgendwann versickert der Kanal im Nirgendwo. Aber das macht nichts, denn so muss man nicht lange erklären, wo das Kanal 28 ist. In diesem kleinen Café am Ende des Kanals kann man nach einem ausgedehnten Spaziergang einen Milchkaffee in der Sonne trinken, bevor es weiter geht zum Spinnereigelände. Die alten Industrieanlagen beherbergen in liebevoll sanierten Gebäuden diverse Galerien, Ausstellungen, das Café Mule und einen Künstlerbedarfsladen. Auf dem Spinnereigelände trifft Kunst auf Vergangenheit und Zukunft. Lust auf einen Perspektivwechsel bekommen? Dann kann man sich im Bootsverleih Herold ein Paddelboot leihen und die gleiche Strecke zu Wasser zurücklegen.
Am Ende so eines schönen Tages ist so manchem vielleicht nach einem kühlen Bier, einem guten Essen und Fußball zumute. Auf wen diese drei Sachen oder auch nur eine zutrifft, der darf sich das Café Cantona nicht entgehen lassen. Schlichte Gastlichkeit mit Herz erwartet hier den geneigten Fußballfan ebenso wie Milchschaumschlürfer und Bionade-Mädchen. Junge Leute treffen sich hier, um über Fußball zu fachsimplen und dabei krossen Schweinebauch mit Ahornsirup und Balsamicozwiebelgemüse zu verspeisen. Denn das Café Cantona wird nicht nur wegen seines Spielplans geschätzt, sondern auch wegen seines Speiseplans. Wer dann noch ein bisschen Kultur braucht, kann in eins der vielen Programmkinos Leipzigs gehen. Sehr zu empfehlen sind der Prager Frühling und die Schaubühne Lindenfels. Klein oder oho und das oft auch im OmU.
Einen Sonntag beginnt man am besten mit einem entspannten und leckeren Frühstück. Unschlagbar ist der Brunch im Barcelona. Mit viel Liebe werden hier verschiedenste vegetarische Brotaufstriche, typisch spanische Fischspezialitäten, Aufläufe und süßes Gebäck selbst hergestellt. Der bis auf Fisch vegetarische Brunch lässt aber nicht nur die Herzen der Vegetarier höher schlagen.
Mit etwas Glück erwischt man ein Wochenende, an dem der große Flohmarkt auf dem Agra-Gelände stattfindet. Er lädt zum Bummeln zwischen Antiquitäten, Kitsch, Nützlichem, Kuriosem und Ostalgischem ein und verführt dazu, die Größe seines Koffers zu überschätzen.
Wie im Flug ist die Zeit vergangen und ein Leipzig Wochenende geht zu Ende. Längst hat man noch nicht alles gesehen und muss unbedingt wieder kommen, um ins Zeitgeschichtliche Forum oder in das Museum der bildenden Künste zu gehen, eine Runde durch den Cospudener See zu schwimmen, Bärlauch im Auenwald zu pflücken oder eine Führung durch die Deutsche Nationalbibliothek mitzumachen. Oder einfach durch die Straßen zu laufen und zu denken, mein Leipzig lob ich mir…
